Naturverjüngung oder Pflanzung auf Kalamitätsflächen?

Die letzten Winterstürme haben uns wieder gezeigt, dass wir im Wald immer in der Ruhe vor dem Sturm leben. Es gab keine allzu großen Schäden, aber einige Waldbesitzer hat es doch erwischt. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu:

Pflanzung mit Schutzmaßnahmen

Es muss wieder Wald entstehen. Das Gesetz gibt uns fünf Jahre Zeit dafür. Wenn keine kostenlose Naturverjüngung (Anflug) da ist (siehe Artikel unten), werden wir wohl pflanzen müssen - eine teure Notlösung, die viel vom Holzertrag wieder auffrisst und bei der wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung keinesfalls außer Acht gelassen werden darf.

Weil im vollen Licht und mit der Düngung durch die angesammelte Streu auch schnell Brombeere, Himbeere und anderes Kraut wachsen, müssen wir so schnell wie möglich sein, damit wir den Vorsprung nutzen können, den uns Baumschulpflanzen verschaffen. Um den Unkrautwuchs möglichst zu verzögern, sollten wir alles wachsen lassen, was Schatten macht und Holz produziert, z.B. Birken, Vogelbeeren. Sogar Holunder, Hasel usw. verdrängen die Brombeere.

Besonders geeignet sind Baumarten, die viel Licht brauchen wie Stiel- und Traubeneiche, Wildkirsche, Bergahorn. Zu diesen Baumarten immer einen Schattholz-Nebenbestand (ca. jede 4. Reihe) aus Hainbuchen pflanzen, um die spätere Verunkrautung des Bestandes zu verhindern und die Qualität der Bäume zu fördern (z.B. keine Wasserreiser). Douglasien und Europäische Lärchen (beide nicht in feuchte Mulden) können ebenfalls geeignet sein. Von Pflanzung der Fichte muss man im WBV-Gebiet abraten, weil sie nur noch als Beimischung sinnvoll ist, und die kommt meist durch natürlichen Anflug von selbst.
Die Weißtanne ist auf Freiflächen nicht geeignet, weil sie frostempfindlich ist und wegen ihres anfänglich langsamen Wuchses vom Unkraut überwachsen wird. Sie sollte schon im stehenden Holz unterpflanzt werden (mit Zaun, weil die Rehe sie über alles schätzen).

Weil der Freistaat Bayern die Aufforstung mit Laubholz und Tanne fördert, sollten Sie auf jeden Fall Kontakt mit Ihrem zuständigen Forstberater aufnehmen. Auch bei der Wahl der geeigneten Baumarten kann er, unter Zuhilfenahme von Standortkarten, behilflich sein.

Die Wiederaufforstung von Katastrophenflächen ist teuer und arbeitsaufwändig. Deshalb ist es sinnvoll, den Wald geplant zu nutzen, bevor es zur Katastrophe kommt. Dann kann ohne Kahlschlag - durch natürlichen Anflug oder durch den Anbau der Jungpflanzen unter den stehenden (evtl. aufgelichteten) Bestand - der Kampf mit dem Unkraut auf der Freifläche vermieden werden.

Und nicht vergessen: Ihre WBV organisiert Sammelbestellungen für Forstpflanzen und erreicht damit kräftige Preisrabatte.
Und sprechen Sie mit dem Jagdpächter über den Wildverbiss und die notwendigen Schutzmaßnahmen.

Naturverjüngung hinter Zaun 

Die Natur braucht uns jedoch gar nicht, um wieder Wald entstehen zu lassen.

Eine weitere Möglichkeit ist es deshalb, Kalamitätsflächen zum Schutz vor Verbiss einzuzäunen (auch bei Pflanzung notwendig) und dann auf Naturverjüngung zu setzen. Natürlich kann ich dann meine Baumarten nur bedingt beeinflussen, dies ist stark abhängig vom Bestand rundum. Doch vergleicht man die Kosten einer Pflanzung mit Schutzmaßnahmen und Kulturpflege mit denen der Naturverjüngung, so ist diese natürliche Alternative durchaus interessant. Zumal bei einer Pflanzung auch nicht garantiert werden kann, dass aus den gepflanzten Bäumen wirklich Wertholz statt Brennholz wird. Üblicherweise findet man auf Naturverjüngungsflächen zu den Baumarten des Altbestandes rundum Pionierbaumarten wie Birke, Aspe oder Vogelbeere. Das Holz dieser Baumarten ist genauso nutzbar wie gepflanztes Holz. 

Als Bonus gibt es die Möglichkeit, sich auch die Naturverjüngung finanziell fördern zu lassen, wenn sie als gesichert vor Wildverbiss gilt, also wenn sie hoch genug ist. Es muss ein gewisser Prozentsatz an Laubholz enthalten sein, der mit den Pionierbaumarten jedoch in der Regel schnell erreicht wird. 

Rufen Sie zu Fragen bezüglich der Förderung Ihren zuständigen Revierleiter an. Und sprechen Sie mit dem Jagdpächter über den Wildverbiss und die notwendigen Schutzmaßnahmen.

Saat hinter Zaun

Obwohl die WBV in diesem Bereich noch keine Erfahrungen hat, muss auch die Möglichkeit erwähnt werden, Kalamitätsflächen einzuzäunen und dann neue Baumarten zu sähen. Dies wurde mit Birkensaat erfolgreich praktiziert. Auch andere Baumarten sind möglich, wenn auch nicht so schnell wachsend.

In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, den Oberboden zu "verwunden". Dies kann zu besseren Anwuchserfolgen führen, da die Saat direkt auf die Erde trifft (teilweise auch bei Naturverjüngung, v.a. unter Kiefern).

Die Bodenverwundung ohne gleichzeitige Bodenverdichtung wird beispielsweise durch Arbeitspferde durchgeführt und kann finanziell gefördert werden. 

Rufen Sie zu Fragen bezüglich der Förderung Ihren zuständigen Revierleiter an. Und sprechen Sie mit dem Jagdpächter über den Wildverbiss und die notwendigen Schutzmaßnahmen.

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